2020

Auch  das Unternehmer Netzwerk Schweiz bleibt vor den Auswirkungen des Coronavirus nicht verschont. So mussten leider vier von fünf geplanten Events im Jahr 2020 aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. 

Herzlichen Dank für das Verständnis!

Stattgefunden hat der Besuch bei SWISSINT, am 3. September 2020. Nachfolgend ein Bericht

3. September 2020

Kompetenzzentrum SWISSINT auf dem Waffenplatz Wil in Stans-Oberdorf 

http://www.peace-support.ch/de/

Alexander Furrer, Oberst i Gst, seit 2020 Kommandant des Kompetenzzentrums, ist verantwortlich für die Umsetzung des dritten Auftrags der Schweizer Armee, der «Friedensförderung», gemäss geltendem Militärgesetz (Art. 66). Oberst Furrer hat die coronabedingt kleine UNS-Besuchergruppe in Oberdorf empfangen und über die Aufgaben der Friedensförderung durch die Schweizer Armee umfassend informiert. Durch Büros und das Gelände geführt wurden wir in zwei noch kleineren Gruppen durch Oberst Furrer persönlich sowie durch Mirco Baumann, Chef Kommunikation bei SWISSINT.

Bei der Friedenförderung geht es in erster Linie um die Überwachung und Herstellung von Sicherheit. Jeder Personeneinsatz basiert – im Gegensatz zum obligatorischen Militärdienst in der Schweizer Armee  – auf Freiwilligkeit. Die Arbeit der Schweizer Friedensförderung hat im Ausland als «Peace Keeper» hohe Akzeptanz, weil die Schweiz als neutrales Land – ohne koloniale Vergangenheit – bekannt ist. Finanziert wird die Friedensförderung durch den Bund. Vom Militärbudget von rund 5 Milliarden Franken steht für SWISSINT 1,1 % (54,7 Millionen Franken) zur Verfügung.

SWISSINT funktioniert grundsätzlich wie ein international tätiges Unternehmen mit Filialen auf vier verschiedenen Kontinenten. Daher wurde SWISSINT auch durch die Coronapandemie schwer betroffen, namentlich wegen Grenzschliessungen mit Flug- und Strassensperren, denn derzeit sind Freiwillige aus der Schweiz in 18 verschiedenen Ländern aktiv tätig. So z.B. in einigen afrikanischen Ländern wie Mali oder Ghana, dann auch im Fernen Osten, in Korea, im Nahen Osten, in vielen arabischen Ländern und sogar in New York. Alle Einsätze werden in Oberdorf  geplant und koordiniert. Aus den Stationen berichten Nachrichtenoffiziere laufend über die Lage vor Ort. Alle geheimen Informationen laufen in Oberdorf über das TOC (Tactical Operational Center). Dieses darf denn auch nur durch den Kommandanten und ein paar wenige Offiziere betreten werden.

Zur Ausbildung für internationale Friedensförderungseinsätze zugelassen werden gesunde Schweizerbürger*innen im Alter von 18 bis 65, wobei für UNO-Friedensmissionen vorwiegend 25 – 50-jährige im Einsatz stehen. Die Ausbildung von Einsatzwilligen dauert 2 bis 3 Monate, ist sehr unterschiedlich und abhängig von Beruf, Wissensstand und bisheriger militärischer Ausbildung. Sogar Frauen ohne militärische Grundausbildung werden für gewisse Funktionen im Friedensdienst militärisch ausgebildet und ausgerüstet. Beachtlich ist der Anteil Frauen mit derzeit rund 20 %. Für interessierte Schweizer*innen gibt es eine riesige Anzahl möglicher Spezialausbildungen für internationale Einsätze. Zu den Standardausbildungsinhalten gehören hoch interessante nationale und internationale Kurse zu unterschiedlichsten Themen wie Umwelt und Soziales, Lage und Akteure am Einsatzort und die eigentliche Auftragsmission. Auch Medienschaffende können bei SWISSINT für Berichterstattungen aus Krisengebieten ausgebildet werden.

Wie erwähnt, basiert die Teilnahme an einem Friedensförderungseinsatz auf Freiwilligkeit. Das gilt für alle Einsatzkräfte, obwohl diese grundsätzlich in einem normalen Arbeitsverhältnis mit SWISSINT stehen. Für die nicht ganz einfache Suche nach Freiwilligen ist eine Personalmarketingabteilung zuständig. Nach deren Ideen beteiligt sich SWISSINT an grossen Schweizer Messen und präsentiert sich dem Publikum in einem Infomobil mit Videos und Informationsmaterial an grossen öffentlichen Veranstaltungen und festlichen Anlässen. Bei SWISSINT gehen jährlich auch rund 100 Anfragen von Medien ein, die immer gern beantwortet werden. Auch kommt es pro Jahr zu 15 bis 20 Radio- und TV-Aufträgen und Offiziere halten rund 100 Referate. Dank grossen Anstrengungen können jährlich rund 450 Einsatzwillige rekrutiert werden. Dafür werden 900 Personalverträge abgeschlossen. Davon entfallen die eine Hälfte auf Ausbildungsverträge und die andere Hälfte auf Einsatzverträge von 6 bis 12 Monaten. Fest angestellt sind auch ca. 40 Offiziere für den Kapazitätsaufbau sowie 11 Spezialisten für die wohl gefährlichste Arbeit bei Friedensförderungsmissionen, nämlich für die Minenräumung.

Die Löhne für Einsatzwillige richten sich nach den beruflichen Fähigkeiten und Funktionen und werden auch während der Ausbildungszeit bezahlt. Zudem stehen sowohl während der Ausbildung als auch während eines Auslandeinsatzes Kost und Logis zur Verfügung und es gibt Zulagen für Auslandeinsätze. Alles wird zum Voraus in befristeten Verträgen geregelt, wobei die Einsätze abgebrochen oder auch verlängert werden können.

Welche Stationen eine Friedensförderungsanfrage durchläuft, wird unter dem dritten Bild kurz erklärt. Wird  ein Einsatz bewilligt, obliegt SWISSINT die gesamte Verantwortung für Planung, Bereitstellung und Führung eines Auslandseinsatzes, inkl. Rekrutierung, Ausrüstung, einsatzbezogene Ausbildung und die nationale Führung während des Einsatzes. Das klingt einfach, ist aber hochkomplex.

Sowohl in der Bevölkerung als auch in der Wirtschaft ist leider viel zu wenig bekannt, welche Chancen jene nutzen können, die sich für eine 2- bis 3-monatige bezahlte Ausbildung bei SWISSINT entschliessen und anschliessend einen Einsatz in einem von derzeit 18 Ländern absolvieren. Dadurch werden berufliche Kompetenzen, Kreativität für Problemlösungen und Sozialkompetenzen in hohem Mass entwickelt, wovon lernwillige Schweizer*innen und die Wirtschaft profitieren. Dies in erster Linie deshalb, weil die kleinen Teams im Ausland völlig autonom funktionieren. Dank dem Schweizerischen Milizsystem, mit nur rund 5 % Berufsmilitaristen und 95 % Dienstleistenden aus allen Berufsgattungen, können und müssen anfallende Reparaturarbeiten an Büro- und Wohncontainern selber ausgeführt, technische Einrichtungen und Fahrzeuge gewartet, unterhalten und wo nötig repariert werden.

Seit über 20 Jahren befinden sich die grössten Einsatzstationen im Kosovo und in Bosnien. Dadurch wurde die Swisscoy bekannt, also der Verband der Schweizer Armee im Kosovo, welcher der friedensfördernden Militärmission KFOR (Kosovo-Truppe im Auftrag der NATO) unterstellt ist. Die erste KFOR-Aufgabe des NATO-Mandats bestand darin, nach dem Kosovokrieg (1999) den Abzug der jugoslawischen Truppen sowie die Entmilitarisierung des Kosovo zu überwachen. Zu diesem Zweck wurden ursprünglich bis zu 220 Schweizer Armeeangehörige im Kosovo stationiert. Inzwischen hat die KFOR aber auch für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Kosovo-Kriegsflüchtlingen zu sorgen. Das erfordert auch die Minenräumung, was allerdings nur ein paar wenigen Spezialisten vorbehalten bleibt. Weil die Lage im Kosovo nach wie vor als extrem fragil gilt, stellt die Schweiz für den Frieden im Kosovo noch immer 165 Männer und Frauen, verteilt auf 8 Standorte, zur Verfügung. Im Laufe der Coronakrise hat die Schweiz auch Quarantänezelte geliefert, aufgebaut und darin sogar Patienten betreut.

Bei den Einsätzen im Kosovo wohnen jeweils zwei Freiwillige in einem Wohncontainer. Leider konnten wir vor Ort keinen Wohncontainer besichtigen, weil alle infolge Bauarbeiten (siehe erstes Bild) vorübergehend weggeräumt werden mussten. Das Zusammenwohnen auf engem Raum wird zwar bereits während der Ausbildung in Oberdorf geübt, kann aber trotzdem im Ausland dazu führen, dass jemand nach Hause zurückkehren und den Einsatz abbrechen möchte. Nach dem Prinzip der Freiwilligkeit ist das möglich, kommt aber selten vor. Im Normalfall verkehren auch regelmässig Flüge zwischen Basel und Pristina, wo am meisten Freiwilligen aus der Schweiz stationiert sind. Nur während des harten Lockdowns war ein Flug in die Heimat nicht sofort möglich, weil Flugverkehr und Strassen gesperrt waren.

Nachfolgend ein paar Eindrücke des Besuches vom 3. September 2020


Empfang bei herrlichem Spätsommerwetter im SWISSINT Camp in Oberdorf. Im Hintergrund rechts ist die Baustelle zum der Neubau eines 84 Meter langen und 16 Meter hohe Gebäudes zu erkennen. Hier entstehen eine Fahrzeughalle und Ausbildungsräume für die Armee sowie Büroräumlichkeiten für die kantonale Abteilung Militär. Das Gebäude gehört zu 55 % dem Kanton Nidwalden und zu 45 % dem Bund.


Über das Kompetenzzentrum SWISSINT hat uns Oberst i Gst Alexander Furrer orientiert. Er ist seit 2020 Kommandant in Oberdorf und dadurch verantwortlich für die Umsetzung des dritten Auftrags der Schweizer Armee, der «Friedensförderung» gemäss geltendem Militärgesetz (Art. 66). Im Unterschied zur obligatorischen Dienstpflicht besteht für Friedensförderungseinsätze Freiwilligkeit. 


Einsätze zur Friedensförderung werden aufgrund eines UNO- oder OSZE-Mandates durch die Bundesversammlung (Parlament/Sicherheitskommission) geprüft und letztlich durch den Bundesrat und die oberste Armeeführung angeordnet. Erst nach genauestem Prüfungsprozess gelangt ein Auftrag ans Kompetenzzentrum SWISSINT nach Oberdorf.


Natürlich gelten für Besucher die vom BAG verfügten Vorschriften und Empfehlungen. Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken werden vom Militär zur Verfügung gestellt und auf Social Distancing wird geachtet. In Anbetracht der sehr kleinen Besuchergruppe, mit lediglich 11 Personen, die sich trotz Corona für den Besuch bei SWISSINT entschlossen hatten, war das auch wenig problematisch. 


Im Kosovo sind unter der Bezeichnung KFOR SWISSCOY derzeit 144 gepanzerte Fahrzeuge für unterschiedlichste Bedürfnisse stationiert. Und für die 165 Männer und Frauen stehen 562 Container zur Verfügung. Davon sind 241 mit technischen Einrichtungen ausgebaut und 321 dienen als Büros oder Wohncontainer. In letzteren wohnen immer je zwei Freiwillige auf relativ engem Raum zusammen. 


Genügend Abstand zwischen Besucher*innen und den Gruppenführern war weder innerhalb der besichtigten Büros und Fahrzeugparkhallen noch ausserhalb der Gebäude ein Problem, und zudem hatten alle eine Mundschutzmaske griffbereit und je nach Situation auch getragen. 
Wir danken Oberst Alexander Furrer und Kommunikationschef Mirco Baumann herzlich für die eindrückliche Führung! 

Text     Anita Herzig
Bilder  René Lang